Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten

4. Hypoallergene Formulardiäten

Autoren: U. Hetterich, M. Raithel, W. Taumann

Falls mit der spezifischen Allergenkarenz, der olioallergene Diät und der Kontrolle wichtiger Begleitfaktoren die Symptomatik einer Nahrungsmittelallergie nicht vollständig in Griff zu bekommen ist, werden als weitere therapeutische Maßnahme hypoallergene Kostformen angewandt. Hierzu gehören Nährstoff-definierte Polymerdiäten, Elementardiäten mit Aminosäuren oder Oligopeptidlösungen [2, 3]. Diese werden entweder in adjuvanter Form mit ca. 500 – 1500 Kalorien/die zur tolerierten Kost oder zusammen mit einer hypoallergenen “Kartoffel-Reisdiät“ eingenommen. Bei schweren Verlaufsformen mit mehreren Allergenen, im Kindesalter oder bei Malabsorptionssyndromen mit reduziertem Ernährungszustand werden sie vorübergehend auch zur ausschließlichen Ernährung (>1500 – 2500 Kalorien/die) verwandt und dann z.B. über eine naso-gastrale oder –jejunale Sonde appliziert (enterale Ernährung).

Mit diesen Diätformen kann die Karenz gegenüber Allergenen oder Histamin- und andere biogene Amine enthaltenden Lebensmitteln (z.B. Tyramin, Putrescin etc) oft wesentlich unterstützt werden. Ernährungsdefiziten wird vorgebeugt und die hypoallergene Ernährung führt zu einer deutlichen Reduktion der allergischen Entzündungsreaktion, was auch anhand der Methylhistaminausscheidung gut objektiviert werden kann. Insgesamt sind die hypoallergenen Elementar-, Oligopeptid- und Polymerdiäten besonders bei schweren polyvalenten Allergien und in der Pädiatrie gut etabliert.

Für dieses günstige Therapieansprechen werden verschiedene immunologische Mechanismen wie Reduktion vorhandener nutritiver Antigene durch die hypoallergene Kost, eine verminderte HLA-DR-Expression oder ein Rückgang der löslichen Interleukin 2-Rezeptoren in der intestinalen Lavageflüssigkeit diskutiert. Darüber hinaus ist ebenso festzuhalten, dass derartige hypoallergene Formulardiäten völlig frei von Histamin ist, so dass ein Teil dieser protektiven Effekte der Ernährungstherapie beim Nahrungsmittelallergiker auch auf die dadurch er-zielte Histaminkarenz zurückgeführt werden kann.

Um langfristige Erfolge bei solchen Personen verzeichnen zu können, wird heute das Prinzip der adjuvanten Ernährungstherapie mit hypoallergenen Kostformen angestrebt. Da die Elementar- oder Astronautenkost nicht sehr schmackhaft ist, ist das Einhalten einer ausschließ-lichen Ernährung mit Flüssigkostpräparaten erschwert. Bei der Form der adjuvanten Ernährungstherapie sollte der Patient langfristig 1 – 2 Packungen einer hypoallergenen Kost (z.B. Nutricia Neocate, Nutricia Elemental 028 Aminosäurendiät, Mead Johson Nutramigen LGG Lipil, Nestlé Modulen IBD Polymerdiät) zu seiner normalen Kost, die er auf jeden Fall toleriert, einnehmen. Dies führt langfristig zu einer Verdünnung und Verminderung der verschiedenen Lebensmittelantigene (Antigendilution) sowie zu einer Reduktion der Darmentzündung. Ein derartiges adjuvantes Therapie-regime wird vom Patienten viel länger durchgeführt als eine ausschließliche Ernährung mit eintönig schmeckenden Aminosäuren oder Oligopeptiden.

Flüssigkostpräparate gelten daher heute als wichtige Therapeutika, um eine Reduktion der allergischen Entzündungsaktivität zu erreichen, um weiteren Neu-Sensibilisierungen vorzubeugen und zur Aufrechterhaltung des Nährstoffbedarfs.

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