Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten

2. Allergenkarenz

Autoren: U. Hetterich, M. Raithel, W. Taumann

Bei allen Patienten mit Nahrungsmittelallergie stellt eine antigenspezifische Karenz die grundlegende Basis für eine erfolgreiche Therapie dar. Aus diesem Grund spielt die sichere Diagnose einer Nahrungsmittelallergie und die exakte Identifizierung der verantwortlichen Allergene nicht nur mit Hauttests (Prick-, Intrakutan, Epikutantest) und der Antigen-spezifischen IgE-Bestimmung aus Blut oder Darmlavage, sondern auch die klinische Sicherung durch eine orale (in vivo) Provokation oder eine (ex vivo) Biopsienaustestung eine extrem wichtige Rolle (siehe Diagnose – link einbauen). Eine exakte Allergenkarenz zeigt die beste Remissionsrate, ist die billigste Therapieform und ist im Vergleich zu anderen Therapien am wenigsten mit Nebenwirkungen belastet. Dabei ist zu beachten, dass eine strenge Eliminationsdiät zu keinen Mangelzuständen führen sollte, weshalb heute eine strukturierte Diätberatung immer als erforderlich gilt und die Diagnose -wie oben beschrieben- exakt gesichert sein sollte.

Bei der Allergenkarenz sollen die Betroffenen dabei auch auf die sogenannten versteckten Allergene in Lebensmittel achten. Es konnte gezeigt werden, dass die Mehrzahl von folgenschweren allergischen Reaktionen durch Speisen hervorgerufen wurden, die nicht selbst hergestellt wurden. Solche Mahlzeiten stellen für den Allergiker ein unkalkulierbares Risiko dar. Eine Umfrage unter 156 Nahrungsmittelallergikern in den USA ergab, dass in ca. 50% der Fälle eine allergische Reaktion durch versteckte Allergene ausgelöst wurde. Bei fast 1/3 der Be-troffenen trat die allergische Reaktion innerhalb von 5 Minuten nach unbeabsichtigter Ein-nahme auf (Sofortreaktion Allergie Typ I) und musste in 86% der Fälle pharmakologisch behandelt werden (Antihistaminika, Epinephrin). Am häufigsten traten die allergischen Reaktionen in asiatischen Restaurants (19%), Eisdielen (14%) und Bäckereien (13%) auf. Das Hauptrisiko bei den servierten Gängen im Restaurant stellt vor allem das Dessert dar [1]. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass meistens nicht die Diätfehler, sondern versteckte Allergene die Auslöser heftigster allergischen Reaktionen sind. Seit dem 13. Dezember 2014 ist die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011) auch in Deutschland Pflicht und die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten müssen stets angegeben sein. Die Verwendung der betreffenden Zutaten muss sich entweder aus dem Zutatenverzeichnis oder der Bezeichnung des Lebensmittels ergeben. Diese Richtlinie gilt auch für die Gastronomie, die entsprechende Hinweise auf der Speisekarte vermerken müssen. Es handelt sich um folgende Stoffe sowie daraus hergestellte Erzeugnisse:

  • Glutenhaltiges Getreide, namentlich zu nennen: Weizen (wie Dinkel und Khorasan-Weizen), Roggen, Gerste, Hafer oder Hybridstämme davon
  • Krebstiere
  • Eier
  • Fische
  • Erdnüsse
  • Sojabohnen
  • Milch (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte, namentlich zu nennen: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Kaschunüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse
  • Sellerie
  • Senf
  • Sesamsamen
  • Schwefeldioxid und Sulphite (ab 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter)
  • Lupinen
  • Weichtiere

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